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BSP Forschungsberichte Heft 2: Auf den Spuren des Jakobsweges

Auf den Spuren des Jakobsweges
Forschungsbericht zum Download

Nachdem die erste Publikation der Reihe „BSP-Forschungsberichte" dem Thema „Digitalisierung im Mittelstand“ gewidmet wurde– werden jetzt Artikel rund um das Jakobsweg-Projekts 2016 veröffentlicht.

Im April 2016 waren neun Studierende der BSP Business School Berlin, der MSH Medical School Hamburg und der MSB Medical School Berlin mit den Betreuern Prof. Dr. Andreas Braun und Dr. Alexander Trefz 14 Tage unterwegs auf dem spanischen Jakobsweg von Astorga nach Santiago de Compostela.
Unter dem Titel „Das Geschäftsmodell Jakobsweg zwischen Kommerz und Spiritualität“ sollten die Studierenden den Weg nicht nur erleben, sondern auch erforschen. „Keine leichte Aufgabe“, sagt Prof. Dr. Andreas Braun. „Für viele Pilgerinnen und Pilger ist es schon anstrengend genug, den Weg zu bewältigen.“ Die Studierenden nahmen ihre Aufgabe aber sehr ernst. Auf dem Weg, abends in den Herbergen und zuletzt in Santiago de Compostela erhoben sie Daten: Insgesamt wurden zu unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen und psychologischen Fragestellungen mehr als 20 Interviews geführt und annähernd 500 Fragebogen verteilt. Drei der Arbeiten wurden im BSP-Forschungsbericht veröffentlicht (weitere Artikel werden zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen).

In seinem Artikel beschäftigt sich Prof. Dr. Andreas Braun aus der Sicht des Hospitality Managements mit dem Thema „Co-Creation“. Pilgern ist eine individuelle Erfahrung in einem kollektiven Erfahrungsraum, der durch verschiedene Akteure wie Mitpilger, Herbergseltern und Einheimische, geformt und erlebt wird. Pilger sind im Sinne von Co-Creation damit sowohl Produzenten als auch Konsumenten. Ziel dieses Beitrags ist es, den Einfluss unterschiedlicher Akteure für diesen Interaktionsprozess auf die Zufriedenheit der Pilger zu untersuchen. Die Ergebnisse der quantitativen Untersuchung mit 367 Pilgern legen den Schluss nahe, dass die Interaktion mit den Mitpilgern den höchsten Einfluss auf die individuelle Zufriedenheit der Pilger hat. Religiosität und Alter verstärken diesen Effekt.

Ausgehend von der Überforderung der Menschen in der Gegenwartskultur untersuchen Prof. Dr. Herbert Fitzek, Helene von Stülpnagel und Magdalena Wottke in ihrem Artikel mithilfe morphologischer Methoden grundlegende Motive zum Aufbruch als Pilger auf dem Jakobsweg. Als Team mit kulturpsychologischem Verständnis befragten von Stülpnagel und Wottke Pilger auf dem Jakobsweg mit einem ganzheitlichen Konzept. Daraus ergab sich die Selbstbehandlung des Alltags als das Heilende am Jakobsweg. Wie ein „Alltagskompass“ verspricht der Jakobsweg eine Neuorientierung  des persönlichen Lebens entlang der Dimensionen :„Etwas auf den Weg bringen“, „Etwas entgegenkommen lassen“, „Aufbrechen“, „Rhythmisieren“, „Raum schaffen“ und „Durchwandern“. Mithilfe des morphologischen Hexagramms konnten sie das Heilende als Lösungsangebot für die Disharmonie des Alltags herausarbeiten: „Dieser Fokus, den ich auf dem Jakobsweg besonders wahrnehme, entgleitet mir oft in meinem Alltag. Nachdem ich zurück zu Hause war, habe ich versucht den Fokus noch länger anhalten zu lassen, aber er rückt immer mehr in den Hintergrund, wenn der Alltag einen wieder einholt“ (Auszug aus einem Interview mit einem Pilger).

Unter dem Titel „Heilung braucht Zeit und andere Korrelationen auf dem Jakobsweg" untersuchen Vivien Chopurian und Christine Kästel auf der Basis von Aussagen von 198 Pilgern Korrelationen zwischen Alter, zurückgelegter Strecke, intrinsischer Religiosität, Selbstwert, Motivation und Persönlichkeit (Big 5) der Pilger. Die Ergebnisse ihrer Korrelationsstudie zeigen u.a., (1) dass es keine signifikanten Zusammenhänge zwischen intrinsischer Religiosität und dem Selbstwert oder anderen Konstrukte gibt, (2) dass die drei Motivationstypen, Selbstfindung, religiöse Motivation und Suche nach Abenteuer/Natur, existieren, und (3) dass Pilger, die länger unterwegs sind, den Weg eher zur Selbstfindung laufen, als Menschen die eine kürzere Strecke gehen. Ihr Fazit: Es gibt nicht den einen Pilger, der sich auf den Weg macht. Die Heterogenität der Pilgergemeinschaft macht diese so interessant. Vereint werden sie nicht nur durch das Ziel Santiago, sondern gerade durch den Weg auf den sie sich begeben. Für die "jüngere Generation" spielt gerade die Selbstfindung die entscheidende Rolle. Auf der Suche nach sich Selbst bietet der Jakobsweg eine gute Plattform durch eine Kombination von Tradition und Moderne.

 

Den kompletten Forschungsbericht können Sie hier herunterladen.

2017 hat sich Prof. Dr. Andreas Braun mit Studierenden der BSP, MSB und MSH erneut das Projekt Jakobsweg gestartet. Wir begleiten das Team in diesem Jahr in unserem Reisetagebuch.

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