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Interview mit David Kurt Roth von Dandy Diary

Am 28. Juni 2018 waren die beiden Fashion-Blogger Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth von Dandy Diary, bei uns in der Siemens Villa zu Gast. Gemeinsam mit Studierenden und Studieninteressierten haben sie einen Workshop rund um Fashion Blogging und Brand Building veranstaltet. Prof. Claudine Brignot hat im Vorfeld mit dem Gründer von Dandy Diary, David Kurt Roth, gesprochen.


Hallo David, Ihr habt bei uns an der BSP einen Kurzworkshop zum Thema Blogging und Brandbuilding durchgeführt. Nun seid Ihr ja selbst als Blogger gewissermaßen eine Brand. Was ist Euer ganz persönliches Rezept für ein erfolgreiches Brandbuilding?

David Roth: Da gibt es drei Punkte, die ich besonders herausstreichen möchte. Erstens, dass man sich nicht nur online betätigt, sondern auch offline aktiv ist. Das heißt, dass man Events und Aktionen macht, die auch außerhalb der Onlinewelt stattfinden, um so für den User oder Leser ein konkretes Erlebnis zu schaffen. Unsere legendären Fashionweek Parties, die Dolce & Gabbana Flitzer-Aktion oder die Fashion Haul Primark-Aktion sind Projekte, die weit über den normalen Modecontent hinausweisen und uns als Dandy Diary erlebbar machen. Ein zweites wichtiges Rezept von uns ist es, auf Meinung zu setzen. Wir haben von Anfang an eine unabhängige Meinung vertreten und damit auch provoziert und angeeckt. Wir bedienen dabei nicht einfach die Modemarken, sondern nehmen uns die Freiheit raus, öffentlich zu machen, was uns nicht gefällt und Marken oder Teile des Modesystems mit unseren Aktionen zu kritisieren. Das Dritte ist die Spezialisierung, um damit den Fokus auf ein ganz bestimmtes Thema zu legen und darin zu Experten zu werden. In unserem Fall war das die Männermode.

Zum Thema digitaler Journalismus, Blogger und Influencer, - man kann Dandy Diary schon fast zur ersten Generation der Modeblogger zählen. Wie hat sich das Schreiben und die Berichterstattung über Mode verändert, seit Ihr Euch damit beschäftigt?

Es gibt heute gegenüber zu früher eine totale Verlagerung zum Bild. Wenn man sich die ersten Modebloggerinnen anschaut, so waren das alles studierte Leute wie Mahret Kupka oder Jessica Weiß, die viel Text erfasst haben. Heutzutage gibt es einen Switch zu deutlich weniger Text, allein schon aufgrund der Medien, die natürlich auch die Darstellungsformen verändern. Fest stehende Computer und Laptops wurden von Smartphones abgelöst. Weil heute viel über die Social Media App Instagram kommuniziert wird, liegt der Fokus viel stärker auf Bild und weniger auf Text. Die neue Generation der Influencer setzt heute auf Schnelligkeit und Unmittelbarkeit. Das führt zurzeit ganz klar zu einer Verkürzung von Inhalten: Foto plus Untertitel auf Instagram. Man muss auch traurigerweise sagen, dass über die letzten zehn Jahre die eigentliche Modekritik immer unwichtiger geworden ist.

Bezeichnet Ihr Euch mittlerweile auch als Influencer oder bleibt Ihr dem Begriff des Bloggers treu? Und wie würdet Ihr eigentlich genau den Unterschied zwischen Bloggern und Influencern definieren, - wo verläuft die Trennlinie?

David Roth: Ich würde sagen dass der Influencer jemand ist, der ausschließlich mit dem Smartphone als Tool arbeitet. Er berichtet dabei vorwiegend über sich selbst und verfasst keine größeren Texte mehr, die sich mit der Modethematik auseinander setzen. Ich würde uns zur zweiten Generation der Blogger zählen, die mit WordPress Blogs und längeren Artikeln groß geworden sind und auf die Generation von Stil in Berlin oder The Sartorialist folgte. Wir bezeichnen uns weiterhin als Blogger, weil das die Ära ist, aus der wir stammen, wobei ich es nicht so relevant finde, uns zu kategorisieren, weil unser Betätigungsfeld natürlich größer ist, als Texte der Mode zu verfassen.

Ihr hattet uns bei Eurer Projektpräsentation das Video "Influencers of the 21st Century" gezeigt, das inspiriert ist von den Arbeiten des Fotokünstlers Hans Eijkelboom. Es fällt auf, dass sich, trotz aller in Anspruch genommenen Authentizität, gewisse Posen, Orte und Einstellungen aufs Haar gleichen. Was ist dabei Eure Kritik oder anders gefragt, wie kann man es besser machen?

David Roth: Das Video basiert auf dem Urmechanismus der Mode, das heißt Anpassung und Abgrenzung. Auf der einen Seite grenze ich mich vom Gros der Gesellschaft ab, weil ich bestimmte Schuhe und Friseuren trage, auf der anderen Seite passe ich mich einer bestimmten Gruppe oder Subkultur an. Wir haben das übersetzt auf die Kultur der Influencer, die ikonische Posen präsentieren: Am Flughafen mit Koffer posen, Frühstück im Bett, Kussmund, aufblasbares Spielzeug im Swimmingpool reiten, Avocado-Brot essen etc. All das sind Posen oder Mode, die getragen und gezeigt wird, um sich einerseits von dem Mädchen, das sich diese Dinge nicht leisten kann abzugrenzen und andererseits Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene signalisiert. Jeder hat ja den Anspruch individuell zu agieren. In unserem Video "Influencers of the 21st Century" geht es - wie auch bei Eijkelboom - um Individualismus versus Masse. Als die ersten Modeblogger mit ihrer Arbeit begannen, sprachen die Medien noch von einer Revolution - der Demokratisierung der Mode. Daher die Auswahl des Soundtrack: "Children of the Revolution" T-REX. Influencer bilden ihre eigene Subkultur mit ganz bestimmten Schauplätzen, Marken, Tieren, Posen die unendlich reproduziert werden. Wir haben dieses Phänomen beobachtet, unglaublich viele Bilder gesammelt und diese zusammen geschnitten. In dem Sinn ist es keine Kritik, sondern ein Fokus auf diese ganz bestimmte Szene, diese zu beobachten, zu dokumentieren und neu zusammengesetzt darzustellen.

David, Du hast ja selbst auch Modejournalismus studiert. Wie war für Dich das Studium? Welche Dinge, die Du während des Studiums gelernt hast, konntest Du mit Dandy Diary umsetzen?

David Roth: Für mich war das wichtigste an meinem Studium, dass ich mich dreieinhalb Jahre konsequent auf das Modethema konzentriert habe. Das zweitwichtigste war die Idee zur Abschlussarbeit, also die Auseinandersetzung mit Mode und Internet und somit die Geburt von Dandy Diary. Während meiner Abschlussarbeit habe ich Dandy Diary gegründet und somit den Grundstein gelegt, für alles was in den kommenden Jahren noch kommen sollte, was mich noch heute beschäftigt und ernährt. Was das konkrete Lernen von Studieninhalten betrifft, so erinnere ich mich an unseren Dozenten Joachim Bessing, der uns das professionelle Schreiben von Grund auf beigebracht hat.

Abschließende Frage, die an Deine eigenen Erfahrungen anknüpft, - was sind Deine Tipps für unsere angehenden Modejournalisten?

David Roth: Ganz klar, - geht raus, besucht Konzerte von angesagten Musikern, geht auf die hippen Parties, schaut Euch so viele Catwalk Shows an wie möglich, beobachtet die 15-jährigen Kids auf der Straße - Was tragen sie? Wie bewegen sie sich? Wer sind ihre Vorbilder? -, besucht Ausstellungen und verknüpft alles, was ihr beobachtet miteinander. Versucht den Zeitgeist zu erkennen und dann schreibt darüber. Denkt, fühlt und beobachtet über die Mode hinaus und setzt alles miteinander in Verbindung!

Lieber David, herzlichen Dank für das Gespräch.

Schneller Überblick


Studienbeginn
Wintersemester 2019/20


Studienmodelle/-dauer
Vollzeit: 6 Semester


Unterrichtssprache
Deutsch
(Ausländische Bewerber benötigen einen Nachweis der Sprachkenntnisse  in Deutsch auf Niveau B2 oder höher)


Studiengebühren
650€ /Monat
Zu den Finanzierungsmöglichkeiten


Abschluss
Bachelor of Arts (B.A.)


Einsatzgebiete 

  • Journalismus mit Schwerpunkt Mode und Lifestyle
  • Online-Journalismus
  • Modemagazine (Print/Online Bereich)
  • Public Relations
  • Werbeagenturen
  • Unternehmenskommunikation
  • Crossmedia Publishing
  • Creative Direction
  • Fashion Editorials
  • Blogging