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Digitale Arbeitswelten und Raumgestaltung – Herausforderung für die Architekturbranche

MontagsSalon der Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft in Trägerschaft der BSP mit Prof. Dr. Thiessen und Prof. Dr. Fitzek.

Von der Notwendigkeit und Sehnsucht nach Räumen, die inspirieren und in Bewegung setzen, erfahren Architekten, wenn Unternehmen oder Behörden neue Gebäude ausschreiben. Doch die Ansprüche ändern sich. Die Digitalisierung verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch die Anforderungen an die Gestaltung von Produktions- und Büroumgebungen. Was bedeutet das für die Architektur als Teilmarkt der Kreativwirtschaft? Müssen Architekten ein neues Denken und neues Wissen entwickeln, um der Arbeitswelt in der digitalen Transformation gerecht werden zu können? Wie bleibt Architektur nachhaltig wettbewerbsfähig? Was ändert sich? Was bleibt?

Über diese und weitere Fragen diskutierten in am 15. Oktober in Neuruppin beim MontagsSalon Kommunikationsexperten, Wirtschaftspsychologen, Architekten und Kreative. Der Neuruppiner MontagsSalon ist ein Vernetzungs- und Coachingformat der Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft in Trägerschaft der BSP Business School Berlin. Der Montagssalon findet alle 14 Tage zu wechselnden Themen im geschichtsreichen Neuruppiner Predigerwitwenhaus statt.

Gesunde Zahlen, gesunde Organisation: Zwei Seiten einer Medaille

Prof. Dr. Thomas Thiessen, Kommunikationswissenschaftler und Rektor der BSP Business School Berlin, und sein Kollege Prorektor Prof. Herbert Fitzek, Wirtschafts- und Kulturpsychologe, stellten Ideen aus ihren Disziplinen zur Debatte. Thiessen eröffnete mit zwei Prämissen: Eine Organisation ist nur dann gesund, wenn die Zahlen stimmen. Und: Die Kultur einer Organisation ergibt sich aus dem Verhalten ihrer Mitarbeiter. Die beiden Bereiche BWL und Unternehmenskultur bedingen sich deshalb gegenseitig, besonders in Zeiten des digitalen Wandels. Deshalb sei es wichtig, so Thiessen, Arbeitsstrukturen, Führungsverhalten und Raumgestaltung integrativ zu betrachten. Neue Aufgaben und Arbeitsstrukturen fordern passende Raumformen für zufriedene und produktive Mitarbeiter. Dies gilt in kleinen wie in großen Unternehmen.

Auflösung von Hierarchien, auch in der Raumgestaltung

Fitzek schloss an, dass sich Veränderung auch in der Auflösung von Hierarchien zeigt. Beletage gleich Chefetage, so materialisiert sich eine Rangordnung. Kreatives Mitdenken und -gestalten der Mitarbeiter will sich ebenfalls räumlich ausdrücken. Fitzek begleitet studentische Projekte in Unternehmen, in denen die angehenden Manager Ordnungen in Frage stellen und Räume für innovative Arten des Arbeitens und der Kommunikation öffnen. Widersprüchliche Anforderungen an Architekten Zwei Partner eines Neuruppiner Architekturbüros stellten ihre Erfahrungen aus der regionalen Praxis hinzu. Ihre Kunden erhoffen sich von Neubauten und Modernisierungen zunächst einmal Vergrößerung und Fortschritt. Der Workflow soll erhalten, die Effizienz gesteigert werden. Auftraggeber stellen eher funktionelle als ästhetische Ansprüche. Zudem beeinflussen Zwänge wie Sparsamkeit und Brandschutz den Entwurf. Weitere Faktoren wirken bei der Planung von Arbeitsumgebungen mit und scheinbar gegeneinander: Standardisierung versus Individualität, Diskretion versus Transparenz, Digitalität versus Stofflichkeit, Perfektion versus Potenzial. Oder doch alles zugleich? Die Antworten der Architektur auf die Digitalisierung scheinen widersprüchlich. Doch all dies muss Architektur mitdenken können, um im Wettbewerb bestehen und neue Geschäftsmodelle entwickeln zu können.

Digitaler Wandel muss Spaß machen

Der Bildhauer und Kunsttherapeut Jens Kanitz sprach sich für attraktivere Arbeitsfelder aus, für agiles Design, für feine Licht- und Luftkonzepte, für das Experimentieren mit Material. Für modulare Arbeitsflächen im Unternehmenssound. Für Wandlung, die Mitarbeitern Spaß macht. So kann der Wandel auch betriebswirtschaftlich gelingen.

Thiessen betonte die Bedeutung der Verbundenheit einzelner baulicher Elemente mit dem großen Ganzen. Der Raum muss Aspekte der Veränderung integrieren und die Identität der Organisation widerspiegeln. Speziell Außenansichten haben dahingehend auch eine performative Funktion. Sie bilden die Philosophie oder die Phantasie eines Unternehmens am deutlichsten ab. Die Haltung einer Organisation wird zum Modell für die Gestalt eines Gebäudes.

Für Fitzek ist die Konstruktion von Räumen - auch im symbolischen Sinne - ein gemeinschaftlicher Prozess der Weiterentwicklung ohne Vollendung. Für eine anwesende Künstlerin ist sie eine thematische Inszenierung inklusive Irritation. Einen Eindruck davon lieferte sie an diesem Montagabend per Slideshow mit Bildern aus ihrer Galerie.

Die Diskussion geht weiter

Eines zeigte sich in der Diskussion: Der Kreativteilmarkt Architektur ist als Motiv ist so facettenreich und diskutabel wie die moderne Baukunst. Die Kreativagentur Brandenburg wird den eröffneten Reflektionsraum rund um digitale Arbeitswelten und Raumgestaltung deshalb führen, auch an den anderen Anlaufstellen der Agentur im Land Brandenburg.


Über die Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft

Die Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft ist ein Projekt der BSP Business School Berlin. Aufgabe der Kreativagentur mit Sitz in Potsdam ist es, kostenfreie Bera­tungs- und Coaching-Leistungen für Kultureinrichtungen und Kreativunternehmen im Land Branden­burg anzubieten. Netzwerk- und Kooperationsstrukturen sollen ausgebaut, neue Ab­satzmärkte erschlossen sowie innovative Geschäftsideen und Produkte entwickelt werden. Instrumente dazu sind Beratung und Coaching, Workshops und Infoveranstaltungen, Dialogforen und Vernetzungs­veranstaltungen. Eine solche Veranstaltung ist auch der Montagssalon in Neuruppin.

Ansprechpartner für den Montagssalon und die Anlaufstelle der Kreativagentur in Neuruppin:

Jens Kanitz
Jens.kanitz(at)kreativagentur-brandenburg.de

Ansprechpartnerin für die Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft:

Dr. Jenny Oltersdorf
Telefon: 030-7668375-283
jenny.oltersdorf(at)businessschool-berlin.de


Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. Thomas Thiessen

Ihre Ansprechpartnerin

Lisa Schimmelpfennig

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