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Zukunftsszenario Außenwirtschaft – Innovationspotenzial von kleinen und mittelständischen Unternehmen

Internationale Handelsbeziehungen und Kooperationen von Unternehmen stehen nach wie vor stark im Fokus der deutschen Wirtschaft. Auch kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) der Hauptstadtregion eröffnen Globalisierung und Digitalisierung großes Potential, das eigene Geschäftsmodell zu erweitern, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen.

Aber wie können die außenwirtschaftlichen Aktivitäten von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Berlin und Brandenburg dynamisch entwickelt werden, wenn wir uns mitten in einer Pandemie befinden, die das globale Wirtschaftssystem verändert? Gewohnte internationale Liefer- und Wertschöpfungsketten werden unterbrochen, grenzüberschreitende Dienstreisen entfallen weitgehend und klassische Prozesse in Unternehmen werden auf die Probe gestellt.

Eine der Antworten könnte die Digitalisierung sein. Welche Rolle digitale Technologien in Hinblick auf nachhaltige Lösungsansätze für außenwirtschaftliche Aktivitäten kleiner und mittelständischer Unternehmen spielen, dies war eines der Themen, die wir am 18. August 2020 im Rahmen des länderübergreifenden Perspektivworkshops zum Thema Außenwirtschaft diskutierten. Veranstalter war das Brandenburger Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE) in Kooperation mit der Senatsverwaltung Wirtschaft, Energie und Betriebe (Sen-WEB) und unterstützt durch die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg (WFBB).

Gemeinsam mit Vertretern/-innen verschiedener Kammern, Wirtschaftsförderungen, Wirtschaftsverbände und Hochschultransferstellen der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg skizzierten wir mögliches Entwicklungspotential und nachhaltige Unterstützungsangebote im Bereich Außenwirtschaft für den deutschen Mittelstand.

Standortbestimmung: Was bewegt Unternehmen aktuell besonders?

Welche Möglichkeiten gibt es für Betriebe, auch unter herausfordernden Bedingungen inter-national aktiv zu bleiben oder zu werden?

Die enormen Auswirkungen der Coronakrise auf KMU der Hauptstadtregion schilderte Sven Weickert, Geschäftsführer Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (UVB). Besonders die internationale Zusammenarbeit muss neu gedacht und in den Prozessen angepasst werden. Mit Beginn der weltweiten Corona-Krise erhöhte sich zugleich das Aufkommen an digitaler Kommunikation und Zusammenarbeit rasant. Denn schnell wurde klar, dass klassische Telefonkonferenzen nicht mehr ausreichen, um das Tagesgeschäft zu bewältigen.

Immersive Technologien wie Virtual- und Augmented-Reality sollten zügig ausgearbeitet werden. Sie ersetzen zwar nicht die personale, interkulturelle Begegnung. Aber sie dienten dazu, Konferenzen und Teammeetings virtuell und hoch qualitativ durchzuführen, und verbessern die Zusammenarbeit in der Industrie und Produktion – auch jenseits von Corona. Dezentrale Begegnungssituationen sind in Unternehmen, sowohl intern, als auch extern, nicht mehr weg-zudenken.

Dr. Frauke Adams, Geschäftsführerin des DiagnostikNet BB, gewährte gemeinsam mit ihrem Kollegen Hannes Thonagel spannende Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen internationaler Kooperationen in der Gesundheitswirtschaft. DiagnostikNet BB ist ein medizintech-nisches Netzwerk mit rund 80 entwicklungsstarken und hochinnovativen Unternehmen und Forschungsinstituten, welche sich untereinander vernetzen, Synergien bündeln und so markt-fähige Produktinnovationen entwickeln.

Die Erfahrungen des Netzwerkes zeigen, dass es sich durchaus lohnt, mit anderen Unternehmen -auch international- zu kooperieren, Kompetenzen zu nutzen und gemeinsam neue Marktsegmente und Kundenzielgruppen zu erreichen. Dies braucht aber auch bewährte Vertriebskanäle und Kooperationsformen. Eine tragende Säule der Außenwirtschaft waren bisher die verschiedenen internationalen Messen, die für die Sichtbarkeit und Kundengewinnung von Unternehmen essenziell sind. Doch wie sieht die Zukunft der Messe aus? Welche Szenarien und Modelle gibt es?

DiagnostikNet BB ist „normalerweise“ gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen auf diversen internationalen Messen vertreten, setzt künftig aber stärker auf die Entwicklung und Umsetzung eines virtuellen Marktplatzes zur Verbindung zwischen Mitgliedsunternehmen und Kunden, der im Herbst 2020 einsatzbereit sein wird.

Ein Messe-Pilotprojekt findet bereits im August als Hybrid-Event in China statt: die Vertretung am Stand („Surrogate Exhibitor Service“) auf der chinesischen Messe CACLP (China Association of Clinical Laboratory Practice Expo). Dabei sind ausgewählte, branchenaffine Unternehmensvertreter eines Kooperationspartners in China vor Ort, während die anderen internationalen Partnerunternehmen die gesamten Marketingmaterialien anliefern und virtuell als Avatare an der Messe teilnehmen. Dieses beispielhafte Modell ermöglicht Messeausstellern und Teilnehmern, ortsunabhängig an dem Event teilzunehmen und sich mithilfe digitaler Tools flexibel auf der Messe zu bewegen und zu vernetzen – bei deutlich reduzierten Reiseaufwänden.

Innovationstransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen muss vorangetrieben werden

Welches Potenzial bietet der Innovationstransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen? Welchen Vorteil haben Unternehmen von Kooperationen und wie tragen diese dazu bei, dass Unternehmen international wettbewerbsfähig sind?

Das beschriebene Modell des Netzwerks DiagnostikNet ist unter anderem Ergebnis eines Innovationsprozesses, der auch in Unternehmen über die Kooperation mit Wissenschaftseinrichtungen vorangetrieben werden kann. Es gibt eine ganze Reihe von skalierbaren Formen der Zusammenarbeit. Dazu gehören beispielsweise Kooperationsforschung, Auftragsforschung, Dienstleistungen wie Begutachtungen und Messungen, aber auch die Bereitstellung von Infrastruktur oder Startup-Förderung. Erfolgsfaktoren sind neben der fachlichen Qualifikation der Partner und Erfahrung in Forschungskooperation auch „weichere“ Aspekte wie ein klares gegenseitiges Commitment der Partnerinstitutionen und die persönliche Motivation der Projektbeteiligten. Auch die kontinuierliche Abstimmung in allen Projektphasen, die Kooperationsintensität und die Konstanz der Rahmenbedingungen erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Schlussfolgerungen daraus: Es sollte in der Forschungskooperation ein stärkerer Fokus auf Kommunikation, aktives Partnering mit Betonung der persönlichen Ebene und gegenseitige Knowhow-Entwicklung gelegt werden. Diese weichen Faktoren unterstützen die zentralen Aspekte, dass der Wissenschaftstransfer mit Unternehmen von beiden Seiten gezielt gewollt, ermöglicht und gekonnt werden muss.

Die Bereitschaft und der Wille, Innovationen im Unternehmen voranzutreiben, bilden also einen Grundstein für die nachhaltige Umsetzung von außenwirtschaftlichen Aktivitäten. Jedoch ist für viele Unternehmen dabei eine Frage entscheidend: wer unterstützt mich fachlich auf dem Weg?

Nachhaltige fachliche Begleitung und finanzielle Unterstützung von Unternehmen

Wie können wir traditionelle Instrumente außenwirtschaftlicher Aktivitäten (insbesondere Messen) transformieren, um außenwirtschaftliche Aktivitäten von kleinen und mittelständischen Unternehmen zu forcieren?

Um kleine und mittelständische Unternehmen in außenwirtschaftlich orientierten Digitalisierungsprojekten zu unterstützen, gibt es verschiedene Förderprogramme der Bundesregierung sowie der Europäischen Union. Das Ziel dahinter ist nicht nur, den Unternehmen eine finanzielle Stütze zu sein, sondern auch, den nachhaltigen Erfolg durch individuelle fachliche Begleitung herbeizuführen.

Eines der aktuellen Förderprogramme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) nennt sich „Digital jetzt“. Das Programm ermöglicht kleinen und mittelständischen Unternehmen Zuschüsse von bis zu 50.000€ für ihre Digitalisierungsprojekte. Eine kostenfreie Möglichkeit der fachlichen Unterstützung bieten auch die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, die im Rahmen des BMWi-Förderschwerpunkts Mittelstand-Digital Unternehmen gezielt bei dem Thema Außenwirtschaft durch Digitalisierung begleiten.

Aber auch auf Landesebene sind vielfältige Unterstützungsbausteine verfügbar.

Silke Schwabe, Managerin Kompetenzfeld: Unternehmen in der Industrie- und Handelskammer Cottbus, beschrieb beispielhaft die Aktivitäten der IHK Cottbus. Mit dem Projekt „Fit ins Ausland - Restart Export“ beispielsweise werden für KMU Impulse gesetzt, um deren internationale Geschäftsaktivitäten zeitnah in solche Märkte zu lenken, bei denen der Corona-bedingte wirtschaftliche Einbruch geringfügiger ausfallen dürfte und für die eine relativ zügige Erholung der Volkswirtschaft prognostiziert wird als im Vergleich zu anderen Ländern. Dazu bietet die IHK Expertenwissen zu den ausgewählten Zielmärkten, unterstützt die Analyse des Bestandsgeschäftes und des Internationalisierungsgrads und die Entwicklung einer Internationalisierungs- und Vertriebsstrategie zum Eintritt in die Zielmärkte und hilft beim Aufbau von Netzwerken und beim Erfahrungsaustausch.

Länderübergreifende Dialoge rund um Außenwirtschaft von KMU werden zeitnah weitergeführt und intensiviert, zum Beispiel über folgende Aktivitäten:

  • Virtueller Workshop zur Neuausrichtung der Leitmessen in der Haupstadtregion am 29. September 2020
  • Virtuelles KMU-Coaching zur Nutzung digitaler Marktplätze am 29. Oktober 2020
  • Virtuelle Konferenz des MWAE zum Thema Außenwirtschaft am 5. November 2020

Alle Studierenden, Lehrenden und andere Interessierte der BSP Business School Berlin, sind herzlich dazu eingeladen, an den folgenden Veranstaltungen teilzunehmen und mitzudiskutieren!

Weitere Informationen zu den anstehenden Terminen rund um das Thema Außenwirtschaft finden Sie hier: www.kompetenzzentrum-kommunikation.de

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Das Thema Außenwirtschaft und die Zukunft von innovativen Messeformaten werden dich in dem Studiengang ebenfalls begleiten.

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Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. Thomas Thiessen

Ihre Ansprechpartnerin

Lisa Schimmelpfennig

Das BSP Magazin