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Auslandssemester - Malta

Malta Schiff

Erfahrungsbericht von Laura Kussl  University of Malta (Malta)

 

Da ich im Bachelor nicht die Möglichkeit hatte, ins Ausland zu gehen, wollte ich dieses Vorhaben nun in meinem Masterstudium auf jeden Fall realisieren. Die University of Malta mit dem Edward de Bono Institute for Design and Development of Thinking ist eine Partneruniversität der Business School Berlin - Campus Hamburg (BSP), an der ich im Master Wirtschaftspsychologie seit Oktober 2017 studiere. Das 3. Semester bietet sich gut für ein Auslandssemester oder -praktikum an. Mir gefiel besonders die Möglichkeit, auf Englisch zu studieren und das bei sommerlichen Temperaturen (im Vergleich zu Hamburg) und bezahlbaren Studiengebühren. Das Bewerbungsverfahren ist recht unkompliziert, da die Malteser scheinbar sehr an Auslandsstudenten interessiert sind und besonders die deutschen Studenten dort einen guten Ruf haben.

Vorbereitung

MaltaMeine Vorbereitung bestand als Erstes darin, dass ich die University of Malta aus dem Katalog der Partner-Universitäten der BSP ausgewählt habe. Dabei habe ich mich dann genauer mit den Studieninhalten beschäftigt, um meine Kurse für das Learning Agreement zu wählen. Zur Auswahl standen mir dabei nur die Kurse des ersten Semesters, da der Studiengang nur einmal im Jahr beginnt. Das fand ich sehr bedauerlich, denn im zweiten Semester finden ebenfalls sehr spannende Vorlesungen statt. Neben der Wahl der Uni und der Kurse waren weitere Punkte der Vorbereitung die Suche nach der Unterkunft und Flüge buchen. Mit Ryanair ist Malta sehr günstig zu erreichen. Ansonsten habe ich mich wie auf einen Urlaub vorbereitet: Zum Beispiel habe ich Dokumentationen über das Land, die Leute und die Sehenswürdigkeiten angeschaut, um zu planen, was ich mir in den fünf Monaten auf Malta und den kleineren Nachbarinseln Gozo und Comino ansehen möchte.

Ich empfehle jedem sich schon vor der Reise nach Malta eine Studenten-Busfahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr zu bestellen. Hiermit kann man deutlich günstiger Bus fahren als mit einer Tageskarte. Man zahlt für eine Einzelfahrt nur 75 Cent statt 2 Euro. Außerdem gibt es die Möglichkeit sich ein 3 Monatsticket zu kaufen. Die Tallinja Card kann man online bestellen auf der Website: https://www.publictransport.com.mt/tallinja-card. Es macht Sinn, sich diese Karte frühzeitig zu bestellen, da es meist ein bis mehrere Monate dauert, bis man diese dann mit der Post zugeschickt bekommt und bis dahin muss man für den Bus jede Strecke einzeln bezahlen, was ziemlich teuer werden kann, wenn man diese oft nutzen muss.

Unterkunft

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, eine Unterkunft auf Malta zu finden. Entweder man sucht sich über Airbnb oder Facebook eine WG oder ein Zimmer bei einer Familie. Die meisten WGs befinden sich in Msida, von wo man die Uni zu Fuß erreichen kann. Dann gibt es noch die »University Residence«. Das ist das Wohnheim, welches von der Uni verwaltet wird und in dem es die Möglichkeit gibt, entweder Einzel- oder Doppelzimmer zu buchen. Die meisten maltesischen Studenten wohnen noch zu Hause, weswegen im Wohnheim überwiegend internationale Studenten und Sprachschüler wohnen. In der Residence kann man ein richtiges Erasmusleben mit zahlreichen Bekanntschaften und vielen Partys führen. Die Residence liegt etwas im Landesinneren. Zur Uni fährt mehrmals täglich ein kostenloser Shuttlebus. Als letzte Möglichkeit gibt es noch das Hotel Kappara, welches ebenfalls von der Universität verwaltet wird. Dort hat man dann ein Doppelzimmer, welches man alleine nutzt. Dieses ist mit einer kleinen Küche ausgestattet. Man kann sich also mit Self-Service versorgen und im Zimmer kochen. Das Hotel ist die teuerste Alternative, ist aber auch ziemlich nah an der Uni gelegen mit nur 10 Minuten Fußweg. Allerdings muss man beachten, dass bei langanhaltendem Regen (kommt im Herbst häufig vor) der Weg durch ein Tal, welches man durchqueren muss, so gut wie unpassierbar ist, da das Tal sich in einen Bach verwandelt. Dann muss man einen Umweg in Kauf nehmen, aber man ist immer noch in weniger als 20 Minuten an der Uni. Die Residence ist bestimmt bezüglich der sozialen Kontakte die ideale Alternative, da man dort mit acht bis zwölf Personen in einem Haus zusammenwohnt und sich immer Leute draußen am Pool oder im Café treffen. Man kann also sehr interaktiv sein Leben gestalten. Im Hotel ist es dagegen etwas ruhiger und man hat mehr Privatsphäre. Jeder muss für sich entscheiden, was ihm wichtig ist. Ich habe mich für das Hotel Kappara entschieden und habe mich dort zwar wohl, aber dann teilweise etwas einsam und abgeschieden von den Anderen gefühlt. Im Voraus war mir die Privatsphäre wichtig und auch in Ruhe lernen zu können, doch jetzt im Nachhinein betrachtet, bereue ich diese Entscheidung etwas. Ich glaube in der Residence oder auch in manchen WGs sind tiefe Freundschaften entstanden. Aber es muss jeder selbst für sich entscheiden, was für ihn bei der Zimmersuche wichtig ist und auf welche Kriterien er am meisten Wert legt. Sei es die Lage zu Uni, Strand oder Paceville (Partyviertel); soziale Kontakte oder Privatsphäre.

Sprache

Neben Maltesisch ist Englisch die Amtssprache auf Malta. Die meisten Malteser sprechen fließend Englisch und somit wird auch im öffentlichen Raum fast nur Englisch gesprochen. An der Universität finden alle Kurse auf Englisch statt. Ich war die einzige Erasmusstudentin in meinen Kursen, allerdings waren auch sonst mehrere internationale Studenten in meinem Kurs, weswegen die Vorlesung wirklich nur auf Englisch gehalten wurde. Lediglich zu Beginn einer Vorlesung haben sich die Dozentinnen mal auf Maltesisch mit anderen Studenten unterhalten. Dennoch hört man auch öfters die maltesische Sprache, zum Beispiel wenn sich die Einheimischen miteinander unterhalten. Maltesisch ist eine sehr interessante Sprache, da sie Elemente aus dem Arabischen und Englischen verbindet, und zugleich auch französische und italienische Einflüsse hat. Das häufigste Wort ist »Mela«. Das ist eine Art Füllwort, das man so gut wie immer verwendet, zum Beispiel für »also«, »als ob?«, 'okay' oder auch »bist du irre?!«.

Leben

Leben in MaltaDas Leben auf Malta ist geprägt von überwiegend gutem Wetter und einem sehr mediterranen und humiden Klima. Die Menschen sind sehr gelassen, eben typisch mediterran. Mir hat diese Lebenseinstellung sehr gut gefallen und mir etwas von meiner eher hektischen Art genommen. Bei einem Spaziergang am Meer bei Sonnenschein vergisst man schnell all seine Sorgen und Probleme. 

Zum Einkaufen gibt es Lidl, was für uns Deutsche natürlich sehr bequem ist, da man hier fast alle Produkte findet und es auch relativ günstig ist. Auswärts essen gehen, ist ungefähr so teuer wie in Deutschland.

In meinem Auslandssemester auf Malta sind mir zwei Dinge negativ aufgefallen: Zum einen wenn es regnet, geht einfach gar nichts mehr und die Straßen verwandeln sich in Bäche, da es keine Kanalisation gibt und auch sonst sehr viel asphaltiert ist, so dass das Wasser nicht abfließen kann. Nach dem ersten Unwetter habe ich mir erst einmal neue Schuhe gekauft, weil ich auf diesen Regen nicht vorbereitet war. Besonders in den Herbstmonaten kann es zu starken Regenfällen kommen. Die andere Sache, die echt nervig ist, ist der öffentliche Nahverkehr. Die Busse kommen manchmal zu früh, manchmal gar nicht. Und wenn sie voll sind, fahren sie an der Haltestelle vorbei. Des Weiteren muss man sich angewöhnen dem Fahrer zu winken, um zu signalisieren, dass man diesen Bus nehmen möchte. Das habe ich schmerzlich gelernt, als so mancher Bus an mir vorbeigefahren ist.

Ansonsten hat es mir auf Malta sehr gut gefallen. Das Land ist geprägt durch seine sechstausend Jahre alte maltesische Kultur. Viele verschiedene Kulturen haben Malta in der Vergangenheit besetzt, seien es die Phönizier, Römer, Araber oder zuletzt die Briten. Alle haben die Insel geprägt und ihr zu einer ganz eigenen Kultur verholfen. Noch heute kann man in vielen Tempeln, Museen und Ausstellungen die Geschichte Maltas erleben. Meine freie Zeit habe ich viel genutzt, um die Insel und ihre Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Hier habe ich die meisten Städte erkundet und auch einige der Tempelanlagen wie zum Beispiel der megalithische Ġgantija-Tempel, welcher zwischen 3800 v. Chr. und 2500 v. Chr. erbaut und im Jahr 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

Meine Top 3 Empfehlungen sind die Hauptstadt Valletta, Mdina und die Nachbarinsel Gozo.

Hier lohnt es sich auf jeden Fall mindestens ein Wochenende zu verbringen. Von der internationalen Studentenorganisation Erasmus Student Network (ESN) wird jedes Semester ein solches Wochenende angeboten. Gozo ist wesentlich grüner als die Hauptinsel Malta und auch weniger überlaufen. Hier kann man sehr schön die Natur genießen und die Dörfer sind auch noch ursprünglicher und weniger touristisch als auf Malta. Es gibt sehr schöne Badebuchten wie zum Beispiel die Ramla Bay.

Malta eignet sich außerdem wunderbar zum Wandern. Die Landschaft ist geprägt durch viele Steilküsten, kleinere Dörfer und Strände. Auch hier werden von der Uni manchmal organisierte Touren angeboten. Es macht viel Spaß, in einer großen Gruppe internationaler Studenten die Natur auch fernab der Pfade zu erkunden. Besonders im Norden der Insel oder in den Dingli Cliffs hat es mir gut gefallen, aber auch im Süden zum Beispiel von Marsaslokk zum Peters Pool kann man gut wandern und die Natur entlang der Küste genießen. Marsaslokk ist ein altes Fischerdorf, wo auch heute immer noch sonntags ein großer Fischmarkt stattfindet.

Meine absolute Lieblingsstadt ist Mdina, die ehemalige Hauptstadt der Insel. Hier hat man das Gefühl, die Zeit ist stehen geblieben und man befindet sich noch im Mittelalter. Die Stadt ist 4.000 Jahre alt und wenn man durch die schmalen verwinkelten Gassen schlendert kann man eine faszinierende Kombination aus barocker und mittelalterlicher Architektur und wundervoll verzierte, hervorragend erhaltene Kirchen sowie majestätische Paläste und Befestigungsmauern besichtigen. Durch diese Bauten verwandelt sich die stille Stadt in eine Art Freiluftmuseum. Im Fontanella Tea Garden, einem Café in der Befestigungsmauer, kann man bei exquisiten Kuchen die Aussicht über die halbe Insel genießen.

Das Leben in MaltaZum Shoppen bin ich meistens nach Sliema gefahren oder gegangen. Diese Stadt ist für die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Cafés bekannt. Außerdem befinden sich hier auch viele Hotelanlagen. Vom Hotel Kappara ist dies fußläufig zu erreichen. Auf zwei großen Straßen befinden sich sehr viele Geschäfte und darüber hinaus gibt es noch eine große Shoppingmall »The Point«. In der Mall findet man alles, was man braucht, und auch zu Essen gibt es dort viel. Auch entlang der Strandpromenade von Sliema findet man viele Cafés, Bars und Restaurants.

Valletta, die Hauptstadt der Insel, ist ebenfalls sehr sehenswert und immer einen Besuch wert. Dort findet man Kultur, Shopping und Essen. Es lohnt sich auch mit der Fähre von Sliema nach Valletta zu fahren. Das ist wesentlich schöner und schneller als mit dem Bus zu fahren und ebenfalls mit der Tallinja Card möglich.

Schon durch meine Vorbereitung wusste ich, dass Malta ein sehr katholisches Land ist. Die kleine Insel verfügt über 365 Kirchen. Man könnte also jeden Tag in eine andere Kirche gehen. Am prächtigsten ist hier die St. John's Kathedrale in Valletta. Die barocke Kirche ist mit sehr viel Marmor, Gold und Malereien ausgestattet und ist auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Auch der Dom in Mosta ist sehr sehenswert. Es handelt sich dabei um die drittgrößte Kuppelkirche Europas.

Der schönste Strand ist meiner Meinung nach der der Għajn Tuffieħa Bay im Norden der Insel. Es ist ein schöner Sandstrand mit kristallklarem Wasser und einer ruhigen entspannten Atmosphäre. Hier gibt es auch eine Surfschule, wo man für 30 Euro eine Stunde Surfunterricht in einer kleinen Gruppe inklusive Board und Neoprenanzug erhält.

Das Nachtleben spielt sich überwiegend im Paceville ab. Das ist ein Stadtteil von St Julian's. Dort muss man in den meisten Clubs keinen Eintritt bezahlen und bekommt auch häufig Freigetränke. Fast jeden Tag ist in einem anderen Club eine Party, die von ESN, dem internationalen Studentenwerk, oder anderen universitätsnahen Vereinigungen gefördert wird. Wer möchte, kann hier locker drei bis viermal die Woche ausgehen.

Uni

An der Universität auf Malta studieren ungefähr 11.000 Studenten, von denen sehr viele internationale Studenten sind. Mein Semester begann am 1. Oktober 2018 mit einer »Freshers-Week«. In der ersten Woche fanden noch keine Vorlesungen statt und auf dem Campus stellten sich alle Universitären Gruppen vor. Hier konnte man sich gut einige aussuchen, um seine Freizeit zu gestalten. Ich schloss mich der Laufgruppe an.

In meinem Masterstudiengang Creativity und Innovation waren wir insgesamt 15 Studenten von denen ca. acht oder neun einen internationalen Hintergrund hatten, also nicht aus Malta stammten. Den Campus fand ich nicht sehr übersichtlich. Am Anfang ist es mir nicht leicht gefallen mich zurechtzufinden. Das lag aber zum Teil auch daran, dass zu der Zeit, in der ich auf Malta studiert habe, gerade eine Tiefgarage gebaut wurde und durch die Baumaßnahmen die Wege ständig geändert wurden.

Es empfiehlt sich, die Führung am Orientation Day mitzumachen. Dafür liegt aber alles sehr nah beieinander und man hat ein richtiges Campus-Gefühl. In der Mittagspause versammeln sich alle auf dem Quad, den Platz zwischen Bibliothek und Mensa. Das Essen in der Mensa ist sehr abwechslungsreich: Es gibt einmal ein Tex Max Tag, den Asia-Tag, den Pasta-Tag und täglich gibt es Pizza oder andere Kleinigkeiten. Allerdings ist das Essen mit fünf bis sechs Euro auch nicht ganz günstig. Daher habe ich meistens selbst gekocht.

Internationale Studenten in MaltaMeinen Studiengang fand ich sehr interessant. Er war sehr interdisziplinär angelegt und die Vorlesungen waren in den meisten Fächern eher praktisch orientiert. Das heißt, man hatte auch immer wieder praktische Übungen. Ich hatte Fächer wie Creativity Methods, Innovation in Organisations oder auch Entrepreneurship. Allerdings war es vom Umfang für mich doch mehr Aufwand als ich in Deutschland gewöhnt war, da ich in fast jedem Fach sowohl eine Gruppen-Hausarbeit schreiben musste, als auch am Ende des Semesters eine Klausur. Daher habe ich das Studium als intensiv empfunden und nicht wie in vielen anderen Erasmus Studiengängen einfach nur ein lockeres Leben. Dafür sind die Inhalte sehr interessant und auch die Dozenten und das Institut an sich vermitteln einem die Inhalte sehr gut und es herrscht ein sehr freundliches Klima.

 

Fazit

Jedem, der sein Englisch verbessern möchte und dabei nicht auf Wärme und Sonnenschein verzichten will, kann ich Malta nur wärmstens empfehlen. Dort sind sehr viele internationale Studenten und auch die Tatsache, dass Englisch die 2. Amtssprache ist, machen Malta zu einem perfekten Ziel für ein Auslandssemester. Das ausgesprochen gute Wetter - noch bis in den Dezember - und das Meer vermitteln das Gefühl von Urlaub und lassen einen über die ein oder andere ungeliebte Hausarbeit hinwegblicken. Auch mein Eindruck von der Universität war sehr positiv. Die Kurse an Edward de Bono Institute habe ich als sehr lehrreich empfunden. Ich habe Malta trotz der eher bescheidenen Größe als sehr vielseitig kennengelernt. Malta verfügt über ein sehr umfangreiches kulturelles Erbe und eine lange Geschichte, traumhafte Strände, mediterranes Klima, viele Sportmöglichkeiten und ein pulsierendes Nachtleben. Wer also Lust auf einen Mix aus Sonnenschein, Natur, Kultur, Party und Studenten aus aller Welt hat, ist in Malta genau richtig aufgehoben. Auf Malta kann man prima wandern, klettern, surfen und vieles mehr. Allerdings muss man sich an die lockere, mediterrane Lebensart gewöhnen und auch mal den ein oder anderen langen Spaziergang in Kauf nehmen, wenn die Busse einen stehen lassen.

Doch wie an jedem anderen Ort sind es die Freunde die man findet, die das Erasmuserlebnis unvergesslich machen.

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