Menschzentrierte KI-Implementierung: Was KMU wirklich brauchen

Wie Künstliche Intelligenz in kleinen und mittleren Unternehmen sinnvoll, sicher und wirksam eingesetzt werden kann, war Thema eines Beitrags in der vierteiligen Ringvorlesung “KI in der Hochschullehre” der IRO-Group. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Praxisfrage: Wie gelingt KI-Implementierung so, dass Menschen, Prozesse und Verantwortung zusammengedacht werden?

Viele Unternehmen haben mittlerweile Erfahrungen mit ChatGPT, Copilot, Bildgeneratoren oder Automatisierungstools gesammelt. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis: Der entscheidende Schritt liegt nicht mehr darin, KI grundsätzlich zu erklären. Viel wichtiger ist die Frage, wie Unternehmen aus anfänglichem allgemeinen Interesse konkrete, passende und verantwortungsvolle Anwendungen entwickeln, und dann bei der Umsetzung auch am Ball bleiben.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) benötigen dafür Orientierung, sichere Räume zum Ausprobieren und eine klare Verbindung zu ihren realen Arbeitsprozessen. Hier setzt menschzentrierte KI-Implementierung an, die das BSP-Drittmittelprojekt Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur in den Mittelpunkt stellt.

“KI-Implementierung ist Arbeit mit Menschen”

“KI-Implementierung ist Arbeit mit Menschen”, sagt KI-Trainerin Kristina Bodrožić-Brnić. Deshalb stehen Kommunikation, Beteiligung und Vertrauen im Mittelpunkt. Diese Perspektive verschiebt den Fokus: Nicht die Technologie allein entscheidet über den Erfolg, sondern die Art und Weise, wie Menschen in Organisationen befähigt, einbezogen und begleitet werden.

Für KMU bedeutet das: Eine weitere allgemeine KI-Einführung reicht häufig nicht aus. Viele Unternehmen kennen die grundlegenden Begriffe bereits. Was sie brauchen, sind konkrete nächste Schritte: Welche Aufgabe kostet heute besonders viel Zeit? Wo entstehen Reibungsverluste? Welche Entscheidung braucht eine bessere Datengrundlage? Wo kann KI im Alltag wirklich entlasten?

“Menschzentrierte KI-Implementierung beginnt daher mit einer genauen Betrachtung des Arbeitsprozesses, und als KI-Trainer:in muss man bereit sein, jedes Unternehmen mit frischem Blick zu betrachten und sich eine individuelle Strategie zur Begleitung zu überlegen”, fügt Bodrožić-Brnić hinzu.

Was KMU für KI wirklich brauchen

In jedem Fall lässt sich sagen: KMU brauchen Orientierung statt Hype-Reproduktion. Sie müssen Nutzen, Aufwand, Datenlage und Verantwortung realistisch einschätzen können. Gleichzeitig brauchen Mitarbeitende sichere Räume, in denen sie Fragen stellen, Zweifel äußern und kleine Experimente machen dürfen.

Besonders wichtig ist die Beteiligung von Mitarbeitenden bei der Lösungsfindung und Implementierung. Denn Akzeptanz entsteht, wenn Ziele, Grenzen und Verantwortlichkeiten verständlich kommuniziert werden und verschiedene Perspektiven aus diversen Arbeitsbereichen im Unternehmen einbezogen werden. Kommunikation ist auch bei der KI-Implementierung der zentrale Bestandteil des Prozesses.

Vom Use Case zur Umsetzung

Bodrožić-Brnić stellte im Beitrag u.a. den KI-Use Case Canvas vor. Dieses Framework wurde im Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur entwickelt und hilft Unternehmen, einen möglichen KI-Anwendungsfall strukturiert zu entwickeln. Dabei werden Ausgangsprozess, Ziel, Nutzen, Aufwand, Daten, Ressourcen, Chancen, Risiken und Verantwortlichkeiten gemeinsam betrachtet.

Der Canvas macht sichtbar, ob eine Idee tatsächlich anschlussfähig ist. Nicht jeder KI-Einfall eignet sich sofort für die Umsetzung. Entscheidend ist, ob ein konkretes Problem gelöst wird, ob Daten und Kompetenzen vorhanden sind und ob Risiken früh genug mitgedacht werden. Der Canvas findet sich im PDF-Format zum kostenfreien Download hier.

Praxislernen zwischen Unternehmen, Hochschule und Forschung

Die Ringvorlesung zeigte zudem, wie Praxiswissen aus Drittmittelprojekten in Hochschule, Forschung und Lehre zurückwirken kann. Studierende und zukünftige Fach- und Führungskräfte brauchen wichtige Kompetenzen: Neue Technologien einordnen können, realistische Use Cases in Unternehmen erkennen, und vor allem auch zuhören können, wenn ein Kooperationsvorhaben (beispielsweise im Rahmen der Erstellung einer Forschungsarbeit) mit einem Unternehmen durchgeführt wird), um eine gemeinsame Begleitstrategie zu entwickeln.

Zwei Beispiele aus der Praxis: humanAIze und faires KI-Prompting

Zwei Praxisbeispiele verdeutlichten diesen Ansatz. Die Transfermethode humanAIze, die von der KI-Trainerin seit 2019 stetig weiterentwickelt wird, nutzt Kreativität als Brücke zur KI-Akzeptanz. Sie verbindet Information, Ausprobieren und Austausch und ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg über kreative Aufgabenstellungen. Dabei werden auch Rollen, Grenzen, Fairness und Verantwortung im Unternehmen reflektiert.

Der Leitfaden Faires KI-Prompting zeigt, wie Prompting über reine Toolnutzung hinausgehen kann. Es wird zum Einstieg in Fragen von Fairness, Diversität, Qualität und Verantwortung. Generative KI wird dadurch nicht nur als Produktionswerkzeug betrachtet, sondern als System, dessen Wirkung, Grenzen und Risiken verstanden werden müssen. Hier geht es zum Download.

Der Beitrag “Menschzentrierte KI-Implementierung: Was KMU wirklich brauchen” wurde von Kristina Bodrožić-Brnić gestaltet. Sie arbeitet im Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur an der Schnittstelle von KI-Kompetenz, Kreativität, Akzeptanz und Wissenstransfer. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, KI verständlich zu machen, Ausprobieren ohne Überforderung zu ermöglichen und Organisationen so zu begleiten, dass ihre jeweiligen Voraussetzungen ernst genommen werden.

Das Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur unterstützt KMU und Handwerk kostenfrei und anbieterneutral. Die Formate verbinden Information, Ausprobieren, Qualifizierung und Vernetzung. KI wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in Verbindung mit Unternehmenskultur, Recht, Cybersicherheit, New Work und Nachhaltigkeit betrachtet. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Zentrums.

Foto von der Kreative KI & Immersive Zukünfte 2026. Rechte: Matthias Sasse /Mittelstand-Digital Zentrum Magdeburg

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